
10.05.17 –
Die Europäische Bürgerinitiative (EBI) setzt die Glyphosat-Lobby schon jetzt mächtig unter Druck. Die will deshalb die Neuzulassung schnell durchdrücken, am liebsten, bevor die millionste Unterschrift unter der EBI steht. Kürzlich preschte EU-Agrarkommissar Hogan mit der Ankündigung vor, er erwarte in Kürze die Glyphosat-Neuzulassung für 15 Jahre. Das ist aber noch längst nicht ausgemacht und auch nicht Sache der EU-Kommission, sondern der Mitgliedsstaaten! Gerade die Bundesregierung darf einer Zulassung nicht zustimmen, wenn jetzt massive berechtigte Zweifel an den Grundlagen der Glyphosat-Risikobewertung aufkommen.
Besonders von der SPD und Umweltministerin Hendricks erwarten wir mehr als nur ein paar zahnlose neue Vorschriften zur Glyphosat-Anwendung. Sie müssen sich stattdessen für ein deutsches Nein in Brüssel einsetzen und dafür sorgen, dass Deutschland zum Vorreiter einer nachhaltigen Landwirtschaft ohne Glyphosat und andere Gifte wird.
Eine industrialisierte Landwirtschaft, die von Glyphosat und anderen Pestiziden abhängig ist, stellt sich immer mehr als Sackgasse heraus. Die vorhandenen Alternativen zur chemischen Keule müssen endlich stärker gefördert und ausgebaut werden.
HINTERGRUND
Die EBI braucht eine Million Unterstützerinnen und Unterstützer, damit die EU-Kommission sich mit dem Anliegen befassen muss. Schon jetzt hat sie über 730.000 erreicht und in sieben von acht Ländern auch das erforderliche Quorum. Die EBI läuft bis Ende des Jahres, angestrebt ist aber, die Millionenmarke schon vor der EU-Entscheidung (möglicherweise im Juli, s.u.) zu erreichen.
Glyphosat ist weltweit das Ackergift Nummer eins. In Deutschland werden pro Jahr über fünf Millionen Liter davon auf die Äcker gespritzt. Glyphosat-Rückstände finden sich in vielen Lebensmitteln, bei Stichproben-Untersuchungen haben die meisten Menschen das Ackergift schon in ihren Körpern. Die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation haben Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Die deutschen und europäischen Behörden halten das Gift trotzdem „bei sachgemäßer Anwendung“ für unbedenklich.
Glyphosat ist allerdings unbestritten Gift für die Artenvielfalt. Eine wachsende internationale Bewegung hat Schäden durch das Ackergift an Menschen, Tieren und Umwelt weltweit dokumentiert. Die Agrarkonzerne, allen voran Monsanto, drängen trotzdem schon lange auf eine Glyphosat-Neuzulassung für weitere 15 Jahre. Im letzten Sommer konnte eine breite europäische Bewegung aus Umwelt- und Verbraucherschützern und Grünen erreichen, dass zunächst nur eine Übergangsfrist bis Ende 2017 für Glyphosat gab. Dieses Jahr soll jedoch die Entscheidung über die Wiederzulassung fallen. Am 17./18. Mai tauschen sich die EU-Staaten hinter verschlossenen Türen in Brüssel über das weitere Vorgehen in Sachen Glyphosat auf, möglicherweise legt die EU-Kommission schon dann ihren Neuzulassungsvorschlag vor. Im Juli könnte dann schon darüber abgestimmt werden.
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