Grüne diskutieren über die Gemeinwohlökonomie und fordern mehr Nachhaltigkeit und mehr soziale Gerechtigkeit

09.08.22

Dr. Georg Ohmayer beginnt seinen Vortrag über die Gemeinwohlökonomie bei der grünen Kreistagsfraktion mit dem Aufzeigen der krisengebeutelten Gegenwart. So befänden wir uns laut Ohmayer   in drängenden Verteilungs-, Hunger-, Umwelt-, Werte- und Systemkrisen. Die 1,5 Grad Grenze einzuhalten erscheine zunehmend unrealistischer, zur Klimaneutralität sei es noch ein weiter Weg, der Erdüberlastungstag fände jedes Jahr früher statt und Vermögen und Einkommen seien massiv ungleich verteilt.

Der Experte sieht dringenden Veränderungsbedarf sowohl bei den Verbraucher*innen als auch bei der Wirtschaft, welche immer noch dem Paradox des endlosen Wachstums in einer Welt mit begrenzten Rohstoffen folge. Vor Ort dürfe aber nicht auf Veränderung von oben gewartet werden, argumentiert er, die Menschen könnten zum Beispiel ihre alten Produkte in Repair-Cafés bringen, oder sich in Selbigen engagieren, um Elektroschrott zu vermeiden und mehr Nachhaltigkeit zu fördern.

„Produkte müssen so konstruiert werden, dass sie reparierbar sind und am Ende in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden können!“ fordert Chemie-Ingenieur und Sprecher der Grünen Fraktion im Kreistag Martin Schachtl. 

Zentral für die Gemeinwohlökonomie sind Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz, sowie Mitentscheidung im Betrieb. Anhand dieser Kriterien werden freiwillige Unternehmensprüfungen angeboten, bei denen dann bis zu 1000 Punkte vergeben werden und ein Zertifikat überreicht wird. Dieser wertvolle innerbetriebliche Prozess werde von den Mitarbeitenden anerkannt und könne auch zu einem besseren Betriebsklima führen, so Ohmayer.

„Viele Unternehmen und auch Landwirt*innen haben sich längst hohe Ziele gesteckt. Ökologisches und sozial verträgliches Wirtschaften muss sich nun auch lohnen.  Dennoch haben die letzten Jahrzehnte gezeigt, dass wir zusätzlich zu Anreizen klare Regeln brauchen, um bei allen die nötigen Veränderungen zu bewirken.“, räumt Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger ein, und fügt hinzu: „Wenn wir das Steuer herumreißen und eine Klimakatastrophe noch verhindern wollen, wenn wir die zunehmende Armut und soziale Spaltung bekämpfen möchten, braucht es ein geschicktes Paket aus Anreizen und klaren Regeln - für eine Wirtschaft, die Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit groß schreibt!“. 

Für die Kommunalpolitik wünscht sich die GWÖ, parteienübergreifend eine positivere Grundeinstellung zu mehr Veränderung herzustellen, die Bürger*innen mehr miteinzubeziehen und dem Gemeinwohl Vorrang zu gewähren. Vor Allem der Grundsatz, Positives zu belohnen und Negatives zu sanktionieren sollte eine zentrale Rolle einnehmen und generell sollte mehr Transparenz in unserer Demokratie herrschen, Bürger*innen sollten mehr und tiefere Einblicke erhalten, so Ohmayer

„Mehr Transparenz würde auch zu mehr Zustimmung für nachhaltige und soziale Projekte führen, da die Gemeinschaft ja hiervon profitieren würde und nicht nur einige Wenige.“, so Kreisrätin Marlene Schönberger: „In meinem Wahlkreis in Dingolfing werden teils riesige Flächen versiegelt, um Hallen zu bauen, welche dann lediglich ein bis zwei Arbeitsplätze erzeugen. Wieder andere werden gebaut, ohne dass man weiß, was überhaupt reinkommen soll. Das ist weder nachhaltig oder umweltfreundlich, noch fördert es soziale Gerechtigkeit.“.

„Um Gemeinwohlökonomie in den Kommunen zu verankern, sollten die Ausschreibungen und Beschaffungen auch an ökologischen und sozialen Kriterien orientiert sein, wie es das Vergaberecht schon lange möglich macht.“, so Sprecherin der Kreistagsfraktion Michaela Feß.

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